Meine sanfte Geburtsreise


 Die Geburt unseres dritten HypnoBirthing-Babys begann mit einer überraschenden Wendung. Wochenlang hatte ich mich intensiv auf diese Reise vorbereitet: Affirmationskarten hingen an den Wänden, der Geburtspool wartete auf seinen Einsatz, die Geburtskerze war liebevoll selbst gestaltet, und das Essen fürs Wochenbett war vorgekocht und eingefroren. Alles war bereit. Besonders kraftvoll für mich war meine Mothers BlessingWay-Zeremonie, die ich kurz zuvor mit meinen wundervollen Freundinnen erleben durfte. Diese Zeremonie verstärkte mein Vertrauen und Stärke, mich voller Freude dieser Geburt hingeben zu können. 

Doch dann, am Tag vor der Geburt, schien alles aus den Fugen zu geraten. Ich fühlte mich plötzlich schwach und unwohl, begleitet von starkem Erbrechen und Durchfall. Der vermeintliche Magen-Darm-Infekt ließ mich schließlich ins Krankenhaus fahren, um abzuklären, ob mit dem Baby alles in Ordnung war. Dort angekommen, wurde ich untersucht, bekam eine Infusion und mithilfe von CTG und Ultraschall wurde ich beruhigt – unserem Baby ging es bestens. Zur Kontrolle und weiteren Infusionsgabe, wurde ich gebeten eine Nacht im Krankenhaus zu bleiben. Mein Instinkt sagte mir jedoch, dass ich zu Hause sicherer und entspannter war, also entließ ich mich selbst. Im Nachhinein weiß ich: Mein Körper wusste, dass die Geburt unmittelbar bevorstand. 

Zu Hause nahm ich das Zäpfchen gegen den Brechreiz, das mir im Krankenhaus mitgegeben wurde. Laut Packungsbeilage kann es bei einer von 100 Frauen Wellen auslösen. Nach der Einnahme schlief ich von 21 Uhr bis 1:33 Uhr tief und erholsam. 

Um 1:33 Uhr weckte mich eine intensive Geburtswelle. Mein erster Gedanke war: „Das Mittel verstärkt die Übungswellen.“ Ich verspürte endlich wieder Hunger und Durst, so aß und trank ich. Schaltete meine Geburtsplaylist an und konnte bis 3 Uhr weiterdösen. Die Wellen kamen zwischenzeitlich regelmäßig, aber ich konnte sie gut veratmen. In Gedanken stellte ich mir eine Qualle vor, die sanft durch das Wasser schwebte – ihre Bewegungen symbolisierten die Zusammenarbeit der Muskeln in meiner Gebärmutter. Ich spürte wie ich mich entspannte und mich öffnen konnte.  Ich träumte von einem Fischschwarm, welches durch ein wunderschönes und farbenfrohes Korallenriff schwamm und ich spürte in meinem Traum die sachten Bewegungen der Wellen. So ließ ich mich in jede Welle fallen- ich atmete mit jeder Welle.

Gegen 3 Uhr verspürte ich einen starken Druck. Ich ging auf die Toilette, überzeugt, dass mein Magen wieder rebellierte. Doch dann bemerkte ich, dass ein Teil der Zeichnung abging. „Jetzt geht es bald los,“ dachte ich. Auf dem Weg zu meinem Mann kamen zwei starke, kurzeitig aufeinander folgende Wellen. Ich stand, hilt mich am Türrahmen fest und ging nach Gefühl etwas in die Hocke und lehnte meinen Oberkörper nach vorn. Ich weckte meinen Mann mit den Worten: „Die Geburt beginnt, die Zeichnung geht ab, ich habe Wellen.“

Er, noch halb verschlafen, wollte erst weiterschlafen, doch zwei weitere sehr intensive Wellen überzeugten ihn vom Gegenteil. Während ich im Stehen mein Becken kreisen ließ, mich auf meinen Oberschenkeln stützte und sanft brummte, begann er, unsere Geburtsfotografin anzurufen. Gemeinsam machten wir uns daran, das Wohnzimmer für die Geburt vorzubereiten – der Geburtspool musste aufgebaut und befüllt werden, das Spielchaos der Kinder beseitigt und der Abendbrottisch aufgeräumt werden.  All dies geschah während ich mich vollkommen in meinem Rhythmus befand.

Die Wellen wurden stärker, aber ich blieb entspannt. Mit Kopfhörern hörte ich meine Playlist, kreiste mein Becken, atmete tief, öffnete mich (gedanklich lies ich immer weiter los) und bewegte mich intuitiv durch die Wellen. Immer wieder kam mehr Zeichnung ab, klar und zart rosa. Ich war noch immer überzeugt, dass ich mich in der Eröffnungsphase befand und dachte nicht daran, dass wir unser Baby schon bald in den Armen halten würden. 

Gegen 3:24 Uhr wurde unsere Tochter wach. Verschlafen und verwirrt beobachtete sie mich, wie ich „tanzte“. Mein Mann nahm sie in die Trage, während er weiterhin mit den Wasseranschlüssen für den Geburtspool kämpfte. Inzwischen spürte ich immer stärkeren Druck nach unten. Diese ganz besondere Schwere des Beckenbodens.

Plötzlich rief ich: „Ich brauche jetzt Wasser im Pool!“

Mein Mann kommt vom Bad ins Wohnzimmer: "die Anschlüsse passen nicht…"

Ich daraufhin: „Ist jetzt auch egal."

Ich gehe vom Stand in den Vierfüßler, weil ich Druck auf dem Schambein verspürte und den Dran vom Positionswechsel. Während des Ausatmens und meiner Überlegung, ob jetzt schon Zeit ist für die Geburtsatmung, kam unser Baby mit einer kraftvollen Welle– noch in der intakten Fruchtblase – um 3:43 Uhr auf die Welt. Ich öffnete die Fruchtblase, nahm unser Baby sanft in meine Arme und hielt es an meine Brust. Unser Blick geht zwischen die Beine…

Ein Junge! Wir haben noch einen Sohn!

Er schaute mich mit großen Augen an, bevor er ein zartes, kräftiges Schreien von sich gab. Unsere Tochter kommentierte: „Alles nass.“

Ich setzte mich mit unserem Sohn auf das Sofa. Er lag an meiner Brust, völlig entspannt und zufrieden. Nach etwa 10 Minuten begann er, das erste Mal zu trinken. Währenddessen löste sich die Plazenta sanft und ohne Probleme.  
 

Die gesamte Geburt war schnell, sanft und voller Kraft. Keine Geburtsverletzungen, keine Angst – nur Liebe und Vertrauen in die natürliche Stärke meines Körpers.  

Unsere Geburtsfotografin rief kurz daraufhin an und wollte ins Haus gelassen werden. Sie kam mit einem lächeln rein und meinte: 

„Da hatte es jemand sehr eilig eure liebevolle Familie kennenzulernen!
Willkommen kleiner Erdenbürger!“
 

So wurde aus unserer geplanten Geburtsfotografie eine Bonding- und Wochenbettfotografie.

Mit diesen besonderen Bildern möchte ich meinen Kindern zeigen, wie schön, kraftvoll und besonders Geburt ist. Sie sollen sehen, dass diese Reise kein Grund für Angst ist, sondern ein Moment voller Liebe und Transformation. Diese Bilder sollen ihnen ein Gefühl von Selbstbestimmtheit und Vertrauen in ihre eigenen Geburten geben. Vertrauen in dieses Wunder der Natur.  

Ich wünsche allen Schwangeren, Gebärenden & werdenden Eltern alles Liebe, viel Kraft und Abenteuerlust auf die (bevorstehende) Geburtsreise eures Wunders!               
Mit der Ankunft eines Babys wird die Familie um ein weiteres Mitglied bereichert – Mit HypnoBirthing wird es geboren in Frieden, Liebe und Harmonie. Ganz im Tempo die es braucht.

Alles Liebe, Julia 


Geburtsbericht von 2024